Down-Syndrom: Das neue Selbstbewusstsein

Neun Menschen mit Down-Syndrom machen beim Deutschen Down-Sportlerfestival anderen Mut, eigene Wege zu gehen.

  • Neun Menschen mit Down-Syndrom machen beim Deutschen Down-Sportlerfestival anderen Mut,
    eigene Wege zu gehen

    Frankfurt, 2. Mai 2017. Inklusion durch Selbstvertrauen, Gesundheitsförderung und Gemeinschaft: Dafür steht seit 2003 das Deutsche Down-Sportlerfestival, eine Initiative von Hexal. Zur Feier des 15. Festivals am 20. Mai 2017 in Frankfurt am Main zeigen neun Vorbilder, wie integrative Sport- und Bildungsangebote zu einem erfüllten, aktiven Leben beitragen. Mit ihren selbstbestimmten Biografien stehen sie für eine neue Generation von Menschen mit Down-Syndrom, die ihre Träume verwirklichen und sich dabei nicht (be-)hindern lassen wollen.

     

    Als Carina Kühne 1985 zur Welt kommt, ein Frühchen mit Down-Syndrom, zeichnen die Ärzte ihren Eltern ein entmutigendes Bild. Am besten sei das kleine Mädchen in einem Heim aufgehoben; sie werde wohl nie schreiben oder lesen können, vielleicht nicht einmal richtig laufen. Heute verdient die 32-Jährige ihren Lebensunterhalt als Schauspielerin und mit Vorträgen, sie bloggt und spricht in Talkshows über ihr Lieblingsthema: Inklusion. Carina Kühne hat eine Mutter, die dafür kämpfte, dass ihre Tochter auf Regel-schulen gehen konnte, eine Tante, die früh ihr musikalisches Talent förderte, und einen älteren Bruder, der sie behandelte wie jede andere Schwester auch. „Das Motto war: Wenn ich’s heut nicht schaffe, schaffe ich es morgen“, erinnert sie sich. Sie ist eine von neun Menschen mit Down-Syndrom zwischen sieben und 56 Jahren, die auf dem 15. Down-Sportlerfestival ihre Erfolge vorstellen und anderen Menschen mit Trisomie 21 Motivation sein wollen, sich (scheinbar) Außergewöhnliches zuzutrauen.

     

    Selbstgewählte Arbeitsplätze

    In einer Studie, die die Professorin für Allgemeine und Integrative Behindertenpädagogik Etta Wilken 2001 durchführte, wünschten sich viele Jugendliche einen Arbeitsplatz in Gärtnereien, in der Landwirtschaft oder Gastronomie, in Kindergärten. „Bei den tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten dominiert erwartungsgemäß die Werkstatt für Behinderte“, heißt es in ihrem Fazit.¹

    Unter den neun Vorbildern 2017 sind eine Service- und Tanzassistentin, ein Model sowie Deutschlands erster Englischlehrer mit Down-Syndrom. Entwicklungen wie diese soll das im vergangenen Dezember verabschiedete Bundesteilhabegesetz voranbringen: Ab 2020 fördern Lohnkostenzuschüsse von bis zu 75 Prozent die Beschäftigung von Mitarbeitern mit Behinderungen auf dem regulären Arbeitsmarkt. Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles hat die Schirmherrschaft für das 15. Deutsche Down-Sportlerfestival übernommen: „Mit dem neuen Bundesteilhabegesetz steht sie für Inklusion“, sagt Sandrine Piret-Gerard, Vorstandssprecherin von Hexal. „Sie repräsentiert damit auch den Anspruch des Festivals, einen Beitrag für ein stärkeres, gleichberechtigtes Miteinander zu leisten.“

    Gesundheitsvorsorge mit Spaß und Selbstvertrauen

    Zur Inklusion gehört Prävention, zumal für Menschen mit Down-Syndrom, da sie für bestimmte Erkrankungen anfälliger sind. Regelmäßige Bewegung hilft ihnen genau wie jedem anderen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen zu treten, Übergewicht zu vermeiden und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Dafür müssen Anreize und Strukturen geschaffen werden, die Menschen mit Down-Syndrom dabei unterstützen, ihre Sportart zu finden. Beim Down-Sportlerfestival erleben einige von ihnen zum ersten Mal, was sie erreichen können oder wie viel Spaß ihnen Tanzen, Basketballspielen oder Rennen macht. Die Vorbilder beim Down-Sportlerfestival zeigen, dass der Behindertensportverein nur ein Weg dorthin ist: Lukas Schütterle wurde 2016 Deutscher Meister im Kraftdreikampf – im Wettbewerb mit nicht-behinderten Gegnern. Christian Hirsch, Deutschlands erster Marathonläufer, trainiert seit Jahren in einem gemischten Laufclub. Ihre Leistungen galten noch vor wenigen Jahren als unmöglich.

     

    Erfahrung anderer macht Mut

    Was hilft Eltern, die sich heute noch für die Fortsetzung der Schwangerschaft entscheiden, nachdem die Pränataldiagnose eine Chromosomenabweichung feststellt? Die ihrem Kind die gleichen Chancen ermöglichen möchten wie seinen Geschwistern? Wie Carinas Eltern sind auch viele andere bislang Einzelkämpfer. Doch Beratungsstellen und Netzwerke werden vielfältiger: So stellt die Novartis Stiftung FamilienBande Angebote vor, die sich um die Geschwister von Jungen und Mädchen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen kümmern. Beim Deutschen Down-Sportlerfestival finden Familien seit 2003 Expertenvorträge, Austausch und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, deren Erfahrung ihnen Kraft und Mut gibt. Über 600 Sportler zeigen, dass sie nicht „am Down-Syndrom leiden“, wie es immer noch häufig zu hören ist. In den vergangenen Jahren ist so ein Zusammenhalt entstanden, der am 20. Mai zum 15. Mal gefeiert wird. Carina Kühne wird wie immer dabei sein. In diesem Jahr hält sie erstmals einen Vortrag, während eines von der BKK Pfalz geförderten Expertenseminars zum Thema Gesundheit, Sport und Integration. „Ich kann ja etwas leisten“, betont sie. Und fügt mit einem feinen Lächeln hinzu: „Man muss mich nur lassen.“

     

    ¹ Wilken, Etta: Down-Syndrom – Wir gehören dazu! Ergebnisse der Fragebogenauswertung. In: "Leben mit Down-Syndrom" Nr. 38, S. 7-11

Zurück

  • Sie sind Journalist und haben Fragen?
  • Bitte wenden Sie sich an

    Katrin Heienbrock
    Tel. 069 - 951 950 023
    Fax 069 - 951 950 011
    E-Mail: presse@down-sportlerfestival.de

  • „Unser Tag“ - Offizielle Hymne des Down-Sportlerfestivals
  • Die offizielle Hymne des Deutschen Down-Sportlerfestivals: "Unser Tag". Komponiert, eingespielt und produziert wurde die Hymne von der Band Peartrea aus Frankfurt.

  • Jetzt bestellen